Vierteljahresschrift für das Gesamtgebiet der katholischen Theologie
Begründet von Kardinal Leo Scheffczyk • ISSN 0178-1626
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Zusammenfassung

Peter Bruns:
Eine Erwiderung an die Araber - Dionysius bar Salîbî († 2.XI.1171) und der Islam
(FKTh 2018-1, S. 1–15)

Dionysius‘ Traktate gegen die Araber tragen die charakteristischen Züge der quaestiones et responsiones – Literatur. Man kann in ihnen ein willkommenes didaktisches Hilfsmittel erblicken, welches die dogmatischen und kontroverstheologischen Fragen, die Dionysius in gut scholastischer Manier beantwortet wissen will, einem breiteren Lesepublikum bekannt machen möchte. Die Vorgehensweise ist stets dieselbe: Zunächst benennt Dionysius die muslimischen Vorwürfe gegen die Christen, die er dann »in der Kraft des Geistes« (b-ħaylâ d-rûħâ) mittels responsio zu entkräften sucht. Die Kontroversfragen betreffen vor allem die Trinität, die Gottheit Christi und schließlich die Inkarnation. Im Gegenzug zeigt Dionysius die Irrtümer, Schwächen und Fehler im Islam anhand des muslimischen Quelltextes (Koran) und der ihn begleitenden vita des selbsternannten »Propheten« auf. Der Islam ist für Dionysius Häresie und Irrglaube, dem das Christentum mit den Waffen des Geistes entgegen zu treten habe. In gewisser Weise stellt die »Erwiderung gegen die Araber« eine lesenswerte, und bisweilen recht originelle Kompilation des syrisch-christlichen apologetischen Wissens aus der Kreuzzugszeit dar. Von den Argumenten des Vorgängers und Patriarchen Johannes I. in der Disputation mit dem Emir von Homs (Emesa) über die Apologie des ostsyrischen Katholikos-Patriarchen Timotheos I. in den Disputationen mit dem Kalifen Al-Mahdi (um 781) bis hin zu den Werken des Bischofs Abû Rac îtâ im neunten und Yaħya ibn cAdî aus dem zehnten Jahrhundert lassen sich bei Dionysius alle gängigen theologischen Argumentations muster finden.

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