Vierteljahresschrift für das Gesamtgebiet der katholischen Theologie
Begründet von Kardinal Leo Scheffczyk • ISSN 0178-1626
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Zusammenfassung

Michael Stickelbroeck:
Das meritum Christi und der Gläubigen nach Johannes Duns Scotus
(FKTh 2019-3, S. 161–173)

Gefragt wird in diesem Beitrag nach den Möglichkeiten des sittlich Guten und des Verdienstes des mit freiem Willen ausgestatteten Menschen, um dann deren Realisierung in Jesus Christus zu betrachten. Die Zielvorgabe ist damit eine christologische. Scotus unterscheidet in Christus einen unteren, natürlichen Willen (voluntas ut natura) und – entsprechend seinem höheren Seelenteil (anima intellectiva) einen oberen, stets dem göttlichen geeinten Willen. Gemäß seinem höheren Seelenteil genießt Christus schon während seines irdischen Lebens die visio, was ihn nicht daran hindert, sowohl mit seinen niedrigeren Seelenvermögen (voluntas ut natura: sinnliches Strebevermögen, Affekte, physisches Leiden) als auch mit seinen höheren meritorische Akte von unendlichem Wert hervorzubringen. Auf beiden Ebenen ist sein Handeln und Leiden verdienstvoll. Christus, der zugleich comprehensor und viator war, hat für uns alle Heilsgnaden und das ewige Leben verdient. Das jedem offenstehende meritum gestaltet sich im Leben der jungfräulichen Gottesmutter zur untergeordneten Teilnahme am Erlöserverdienst Christi.

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