Zusammenfassung
Michael Stickelbroeck:
Die Schöpfung von Welt und Leben bei Thomas von Aquin
(FKTh 2026-1, S. 15–39)
Der Beitrag möchte die theologische Schöpfungslehre des Thomas von Aquin, die gewisse philosophische Voraussetzungen hat, erheben. Der Focus der Untersuchung liegt auf der Frage, ob für Thomas eine göttliche Schöpfung als Prozess der Höherentwicklung, bei dem es im Zuge der Entwicklungsgeschichte laufend Übergänge zwischen allen Typen des Lebendigen gibt, denkbar wäre. Dazu soll eine Einsichtnahme in die Texte des Thomas über die Ordnung der Dinge und deren Hervorgang mit seinen Ursachen, erfolgen. Welche Art von Ursächlichkeit kommt bei der Erstentstehung der eigenen Natur der Dinge im Schöpfungshandeln Gottes zum Tragen? Es soll vor allem auch danach gefragt werden, ob es eine zeitliche Ordnung der Schöpfung gibt, wie es um den Hervorgang des Menschen mit seinem Leib bestellt ist und worin „Schöpfung“ denn nun eigentlich besteht, wenn man den Aussagen des Aquinaten folgt. Dabei verlangt es der Duktus der vorliegenden Ausführungen, durchgängig auf allgemeine Prinzipien und metaphysische Einsichten, die seiner Seinsphilosophie zugrunde liegen, Bezug zu nehmen. Die Untersuchung blendet immer wieder den formalen Hauptgesichtspunkt in den Fortgang der Überlegungen ein, ob Schöpfung auf dem Weg einer die Typen des Lebendigen umgreifende Evolution von Thomas her denkbar wäre. In Abschnitt 5 und 6 soll das in der „thomistischen Schule“ vertretene kompatibilistische Modell, das für eine von Gott gelenkte und gesteuerte Evolution optiert, umrissen werden, um dessen Vereinbarkeit mit dem von Thomas über die Wirklichkeit der Schöpfung und den Ursprung der Dinge Erdachten und systematisch Festgehaltenen zu befragen.