Vierteljahresschrift für das Gesamtgebiet der katholischen Theologie
Begründet von Kardinal Leo Scheffczyk • ISSN 0178-1626
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Zusammenfassung

Jörgen Vijgen:
Der hl. Thomas von Aquin und das kirchliche Lehramt
(FKTh 2026-1, S. 1–14)

Diese Studie unternimmt den Versuch, eine vergleichende Lektüre von Veritatis splendor (1993) und Amoris laetitia (2015) vorzulegen, um die Spannung zwischen einer genuinen Rezeption der lehramtlichen Autorität des heiligen Thomas von Aquin und einem fragmentarischen Rückgriff auf einen sogenannten Thomismus à la carte offenzulegen. Die Rechtfertigung für eine solche Untersuchung liegt darin, dass beide Dokumente – wie weithin bezeugt – das thomistische Corpus nicht bloß als ornamentalen Zierrat heranziehen, sondern es als wesentlichen Gesprächspartner in der Entfaltung ihrer grundlegenden Argumentationslinien einbeziehen. Mein Anliegen ist es jedoch nicht, die umstrittene Frage erneut aufzugreifen, ob Amoris laetitia im Sinne einer Hermeneutik der Kontinuität im Verhältnis zu früheren lehramtlichen Aussagen gelesen werden kann. Vielmehr will die Untersuchung aufzeigen, wie beide Texte jeweils mit dem thomistischen Erbe umgehen – sei es als lebendige Autorität, die in den inneren Zusammenhang der lehramtlichen Argumentation eingebunden ist, oder als selektiv angeeignete Ressource im Dienst einer bereits vorgegebenen pastoralen oder rhetorischen Ausrichtung.

© FKTh 2026